Fundgeschichte #2: Der Schaber

Ostercappeln-Haaren 2017: Vor gut drei Jahren fiel es uns gegen 7.30 Uhr in der Frühe ein, einen Spaziergang entlang des Martelsweges zu machen, den auch schon Dr. Hartmann 1891 bei der Beschreibung der Haarener-Landwehr erwähnte und die Parallelität des Martelsweges und der Landwehr herausstellte. Hartmann konnte es sich damals nicht verkneifen sich über die aufkeimende Germanentümelei zu belustigen, indem er ironisch dem Martelsweg als Strecke darstellte an der die Sachsen die gefangenen Franken heraufführten, um sie am Opferplatz ihren Göttern darzubringen.

Ich setzte meinen Spaziergang fort und östlich schimmerten die ersten Sonnenstrahlen durch das Wäldchen, welches pittoresk das von Dr. Hartmann 1890 „endeckte“ Großsteingrab Osthaar-Süd (Fundstelle Haaren 14; Sprockhoff-KatNr. 907) berberbergt, als meine Begleitung Bobby verharrte, um neben einer Eiche am Ende des Weges an der Losung eines Dachses (Meles meles) zu schnüffeln… (Stammte sie wohl von einem Nachfahren jenes Daches, auch Grimbart genannt, dessen Bau im Grabe Osthaar-Nord (Fundstelle Haaren 15; Sprockhoff-KatNr. 906) von Brandi bei der Grabung mit Dr. Hartmann bermerkt wurde?

Plötzlich richtet Bobby seine Aufmerksamkeit auf etwas, das am Rande des Ackers südlich von uns (siehe das Bild oben im Beitrag, Foto: G. Groneik) lag und ließ sich nicht abbringen sein Fund zu bewachen und schaute mich gar garstig an als ich versuchte einen Blick auf den Gegenstand zu erhaschen, so das ich schon Angst hatte es mit dem „Schwarzen Hund von Haaren“ zu tun zu haben, jener Kreatur die Westerfeld in seinen Beiträgen zur Geschichte und Volkskunde des Osnabrücker Landes 1934 erwähnte und der vor Urzeiten in Haaren Furcht und Schrecken verbreitete…

Bobby ist zwar nicht der „Schwarze Hund von Haaren“, aber als Archäodog bald mindestens ebenso berühmt. Foto: G. Groneik

Dank eines Leckerlis wandte sich Bobby von seiner Entdeckung ab und ich entdeckte in der aufgeworfenen Ackerkrume einen großen Feuersteinkratzer, von 5,1 cm Länge, 3,6 cm Breite und an der Schlagplattform von 0,8 cm Dicke. Wie sich später herausstellte brachte das Artefakt 14 Gramma auf die Waage. Das vor Jahrtausenden zugeschlagene Gestein ist ein grau-braun-weiß-gefleckter norddeutscher Feuerstein. Vergleichsfunde zu diesem Werkzeugtyp liegen im Landkreis Osnabrück bislang nicht vor.

Das steinzeitliche Werkzeug aus der Ackerkrume. Foto/Zeichung: D. Lau

Eigentlich gehören die Lorbeeren der Entdeckung dieses Feuersteingeräts und zugleich dieser neuen Fundstelle dem findigen Bobby, doch kann er natürlich nicht zu Papier bringen, wie es zu diesem Fund kam – aber vielleicht schlägt er noch eine Karriere als Archäodog ein und wird noch von sich hören lassen… Zumindest hat er sich sein Leckerli schmecken lassen…

Die Belohnung für den Finder. Foto: G. Groneik
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