Sondage an der Fundstelle 49 in Haaren–Ostercappeln

An drei Tagen, vom  06.–08. Oktober 2017, wurden an der Fundstelle 49 in Haaren, Gde. Ostercappeln, in landwirtschaftlicher Nutzfläche drei kleine Sondagen, unter der Leitung von Dr. Daniel Lau, durchgeführt. Unterstützt wurden die Arbeiten durch Wolfgang Remme (Vermessung, Stadt- und Kreisarchäologie Osnabrück), Guido Groneik (Haaren-Ostercappeln) sowie Lara Helsberg und Kim Koehn, Studentinnen der Universitäten Köln bzw. Münster.

In der Bildmitte: Der eingerichtete Schnitt 1 (Nord-Süd-orientiert, die Ecken mit pinkfarbenen Holzpflöcken markiert). Im Hintergrund (rechts) das Megalithgrab Dübberort 1.

Die Fundstelle ist seit den 1970er Jahren durch Oberflächenbegehungen bekannt und erbrachte neben Fragmenten urgeschichtlicher Keramik auch eine Reihe von Steinbeilen und Feuersteinartefakten bzw. -abschlägen. Etwa 50 Meter nordwestlich benachbart liegt das Megalithgrab Dübberort 1 (bzw. Osthaar-Nord). Aufgrund der Funde und der Lage wurde die Fundstelle 49 als zerstörtes Megalithgrab (bzw. zerstörte neolithische Flachgräber) interpretiert. Im Sommer 2016 wurde an dieser Stelle eine geophysikalische Prospektion unter der Leitung von Dr. Daniel Lau mit Unterstützung von Guido Groneik und Studierenden der Universität Hamburg durchgeführt. Das Magnetogramm zeigte u.a. Anomalien in Form eines Trapezes, als Megalithgrab interpretiert, und nordöstlich davon einige große, als Gruben interpretierte, Befunde.

Die Untersuchung im Oktober 2017 sollte nun klären, ob es sich bei den Anomalien im Magnetogramm um archäologisch relevante Befunde handelt. Schnitt 1 (8 x 2 m) wurde in N-S-Richtung angelegt und derart gewählt, dass er das vermeintliche Megalithgrab mittig schneidet. Schnitt 2 wurde in W-O-Richtung angelegt und sollte einen Querschnitt durch die als Gruben interpretierte Anomalien erzeugen. Schnitt 3 schließlich wurde am 8.10. ad hoc südlich von Schnitt 2 und östlich von Schnitt 1 eingerichtet, um das Ostende des vermeintlichen Megalithgrabes, eine Reihe dreier N-S ausgerichterter Anomalien, die als Reste von Tragsteinen interpretiert wurden, zu testen.

Generell zeigte sich in allen drei Schnitten, dass ein etwa 30 cm starker Pflughorizont auf einem gelblich-hellbraunen, schluffigen Sand auflag. In dieser Pflugschicht wurden vereinzelt Fragmente urgeschichtlicher Keramik und Feuersteintrümmer und -abschläge entdeckt.

Schnitt 1 erbrachte keinerlei Befunde. Da der gelbliche Sand bereits für den C-Horizont gehalten wurde, und die Fläche für das kleine Team bei sehr schlechtem Wetter zu groß war, um mehr als 5 cm dieser Schicht abzutragen, wurde Schnitt 1 im Laufe des7. Oktobers bereits wieder verfüllt. In den obersten 5 cm der gelblichen Schicht fanden sich allerdings einige wenige verstreute Keramikfragmente und ein Metallobjekt.

Im Sand noch zu erkennen: die Pflugspuren, die Schnitt 1 parallel und diagonal durchziehen.

Schnitt 2 war ergiebiger und konnte tatsächlich den Nachweis erbringen, dass es sich bei den Anomalien im Magnetogramm um Gruben handelt. Zwei ineinandergreifende Gruben oder eine größere Grube mit unterschiedlichen Verfüllhorizonten konnte angeschnitten werden. In der nahezu fundleeren Grube (ein Fragment eines frühneuzeitlichen verzierten Tongefäßes) lag ein Granitfindling von etwa 60 cm Höhe. Die Grubenränder grenzten sich scharf von der Umgebung ab und die Verfüllung war gefleckt bzw. marmoriert in unterschiedlichen Farbtönen von weiß über gelb und hellbraun bis hin zu rötlich-braun, dunkelbraun und schwarzbraun. Außerhalb der Grube, zwischen Pflugschicht und der Sandschicht und auf der Sandschicht liegend, konnte ein Klopfstein eingemessen werden.

Unter dem Pflughorizont zeichnete sich der Rand einer verfüllten Grube ab, in der bereits die Spitze eines darin versenkten Findlings zu erkennen war.

Schnitt 3 erbrachte einen kleinen Granitstein, der direkt unter der Pflugschicht und in der Sandschicht zum Vorschein kam. Nachdem der Bereich um weitere 5 cm abgetieft wurde zeigte sich, dass der Boden von helblich-hellbraun immer dunkler wurde und ins rötlich-braune wechselte. Bei dem nunmehr herausgenommenen Granitstein handelte es sich um das Fragment eines Reibsteines, der mit der glatten Seite nach unten lag. Darunter kamen nun – im Vergleich zu den anderen beiden Schnitten – relativ viele Fragmente von Tongefäßen zum Vorschein, weitere Fragmente von Reibsteinen und Spuren von verbrannten Knochen. Die Grube reichte etwa bis einen Meter tief unter die rezente Oberfläche und war in der Sohle mit zahlreichen faustgroßen im Feuer gesprungenen Granitsteinen verfüllt.

In Planum 1, Schnitt 3, zeichnen sich die verwaschenen Ränder einer Grube ab. Die rötlich-braune Verfärbung der Grubenverfüllung deutet auf Hitzeeinwirkung hin. Bei dem kleinen Stein in der Bildmitte handelt es sich um das Fragment eines Reibsteins.

Interpretation

Die Interpretation, dass es sich bei dem trapezförmigen Befund im Magnetogramm um ein zerstörtes Megalithgrab handelt muss aufgegeben werden. Die modernen Gruben in Schnitt 2 und der Klopfstein könnten jedoch darauf hinweisen, dass hier ein zerstörtes Grab vorliegt, dessen Tragsteine abgegraben wurden. Im Umfeld liegen weitere größere Gruben, die eine für Megalithgräber der Region typische W-O-Ausrichtung haben. Die Grube in Schnitt 3, die nicht komplett ausgegraben werden konnte und deren Umrisse stark verwaschen und kaum sichtbar sich im Boden abzeichneten, wird als Abfallgrube interpretiert. Die Keramik, die daraus geborgen wurde ist sehr weich, uneinheitlich gebrannt, mitunter stark gemagert (Gesteinsgrus) und weist z.T. einzelne oder doppelte schmale horizontale Linien an der Schulter bzw. dem Schulterumbruch auf. Anhand der Randform und erster typochronologischer Vergleiche, könnte es sich bei einem der Gefäße mit Verzierung um ein Objekt aus der ausgehenden Bronzezeit bzw. der beginnenden Eisenzeit handeln.

Die trapezförmige Struktur an deren östlichen Rand die Grube lag, könnte demnach die Pfostenstellungen eines kleineren Gebäudes markieren.

Weitere Untersuchungen an der Fundstelle, insbesondere eine komplette Freilegung der trapezförmigen Struktur und der großen Gruben wären wünschenswert, um die hier präsentierten Ergebnisse zu erhärten. Auch eine größere geophysikalische Prospektion im Bereich südlich und östlich der Fundstelle (an das Magnetogramm von 2016 anschließend) könnten wertvolle Hinweise auf eine mögliche Siedlung in diesem Bereich erbringen. Beide Untersuchungen wären mit geringen Kosten verbunden und könnten innerhalb eines Zeitraums von etwa 3–4 Wochen durchgeführt werden.

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