Projekt: Auf der Suche nach zerstörten Gräbern

Eine Master-Studentin von der Universität Köln begibt sich im Rahmen ihrer Abschlussarbeit auf die Suche nach zerstörten Megalithgräbern im Landkreis Osnabrück. Die Gesellschaft für Steinzeitforschung in Stadt und Landkreis Osnabrück unterstützt dieses Projekt.

Im späten Neolithikum, der letzten Zeitstufe der Steinzeit, vollzog sich auch im Norden Europas eine Veränderung. Aus einer aneignenden, wildbeuterisch geprägten Wirtschaftsweise wurde eine produzierende, sesshafte. Die Menschen jener Zeit begannen Häuser zu bauen, Tiere zu züchten und Äcker zu bestellen. Dabei bildete sich besonders im Norden ein weiteres Phänomen heraus. Für die Toten der Gemeinschaft wurden große Steinanlagen errichtet, in denen sie bestattet werden sollten. In einer kurzen Phase von etwa 500 Jahren errichteten die Menschen der sogenannten Trichterbecherkultur diese Steinanlagen.

Auch lange nach der Steinzeit ging von diesen Anlagen eine Faszination aus, die die Menschen in Form schriftlicher Hinterlassenschaften und Erzählungen, aber auch in bildlichen Darstellungen wiedergeben. Ein besonders prominienter vertreter dafür, ist Caspar David Friederich mit seinen romantischen Landschaftsmalereien, in denen auch Großsteingräber abgebildet werden. Trotz des Interesses der Menschen, des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit, an den Grabanlagen, wurden besonders in dieser Periode der Menschheitsgeschichte viele Großsteingräber zerstört, da sich die Steine besonders für Kirchen- und Straßenbau eigneten. Aus diesem Grund ist anzunehmen, dass weitaus mehr Großsteingräber gebaut wurden, als heute noch sichtbar sind.  


Im Landkreis Osnabrück sind heute etwa 70 Großsteingräber bekannt, von denen 41 erhalten sind. Der Rest ist entweder obertägig oder vollständig zerstört. Der Belmer Kunsthistoriker Gerd Ulrich Piesch war in der Lage anhand von Kartenmaterial des 18. und 19. Jh. sowie Schriftquellen 15 zerstörte Anlagen zu rekonstruieren und neun weitere annähernd in ihrer ursprünglichen Lage zu bestimmen.
Durch die Nutzung interdisziplinärer Maßnahmen in der Archäologie, ist es heute möglich Flächen bewusst zu untersuchen ohne diese direkt zu zerstören. Dafür kann beispielsweise die sogenannte Geomagnetik genutzt werden.  

Mittels der Geomagnetik ist die Archäologie in der Lage, bodenverändernde Prozesse, wie zum Beispiel eine Deponierung, oder auch die auch die Pfostenstellung eines Hauses, im Erdmagnetfeld nachvollziehen zu können. Durch einen Eingriff in den Boden, verändert sich auch an dieser Stelle das Erdmagnetfeld. Mithilfe von Sonden kann das Magnetfeld an Stellen, an denen eine archäologisch relevante Fundstelle und damit einhergehender Bodeneingriff urgeschichtlicher Zeitstellung zu erwarten ist, gemessen werden. Auf einem Graustufenbild zeigen sich die Eingriffe ins Erdreich als dunkle und helle Verfärbungen, sogenannte Anomalien. Durch Prüfung der nT- Werte (nano Tesla), aber auch der Form der Anomalie kann beurteilt werden, um was es sich schlussendlich handelt.

Vollständiges Magnetogramm der untersuchten Fläche bei Dübberort 3. Die Fundstelle liegt im unteren rechten Bildbereich.

Mit dieser Methode sollen, die durch Piesch benannten Fundplätze, im Rahmen einer Master-Arbeit an der Universität Köln, untersucht werden. Dabei soll geprüft werden, ob auch heute noch ein oberflächlich zerstörtes Großsteingrab an den von ihm benannten Flächen nachvollzogen werden kann.
Mit der Auffindung und genauen Verortung dieser Gräber, ließe sich die prähistorische Landschaft des Osnabrücker Landkreises ein Stück weiter rekonstruieren.

Durch die Rekonstruktion der Verteilung kann möglicherweise auch auf eine Lage einer Siedlung geschlossen werden. Diese sind im Osnabrücker Landkreis bis heute vollkommen unentdeckt.
Durch die Erkenntnisse der Arbeit und der dementsprechenden Verarbeitung der Ergebnisse, kann in folgenden Projekten möglicherweise an die Erkenntnisse angeschlossen werden, die die Universität Kiel seit einigen Jahren zur Trichterbecher Kultur sammelt.
Damit ließe sich in Zukunft eine flächendeckende Rekonstruktion jener Kultur erschaffen, die in der letzten Stufe der Jungsteinzeit das nördliche Europa dauerhaft besiedelte.

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