Die älteste Darstellung der Sloopsteine bei Haltern (1801)

Die Sloopsteine im Halterdaren, zählen zu den gut erhaltenen Megalithgräbern im Raum Ostercappeln und aufgrund der großformatigen Deckplatte am breiten Ostende des Grabes zugleich zu den imposanteren. Aufgrund seiner auch heute noch sehr guten Erhaltung verwundert es nicht, dass dieses Großsteingrab bereits früh in Reiseberichten oder Dokumentationen zum Denkmälerbestand der Region erwähnt wird. Dennoch sind die Sloopsteine bislang einer genaueren archäologischen Erforschung entgangen, sieht man von der Geländeaufnahme am 28. Mai 1927 durch Ernst Sprockhoff und Helmut Schwieger ab.

In Friedrich Johann Lorenz Meyers Darstellungen aus Nord-Deutschland (1816) findet sich die Abbildung eines Großsteingrabes mit einem sich dahinter erstreckenden Tal. Das Bild trägt den Titel Das Varusfeld.

Radierung „Das Varusfeld“ von de la Belle 1816 nach der Arbeit von Wilhelm Tischbein (aus: MEYER 1816).

Meyer berichtet an dieser Stelle (S. 83) in seinem Buch über den vermeintlichen Ort der Varusschlacht, insbesondere über den unter Germanicus angelegten Tumulus (Grabhügel), der die Gebeine der gefallenen Römer der Varusschlacht bergen soll. Zur Entstehung des Bildes heißt es bei Meyer: „Einst durchzog Wilhelm Tischbein, bei der Rückkehr aus Italien, diese klassischen Gefilde, nach Möser’s Anleitung. Er fand dort die halbumgestürzten Steinmassen – waren es Wodans Altäre, oder Riesengräber – sah das Thal, wo römische Waffen- und Todtenurnen mit Knochen und Asche gefüllt unter und neben einem in seiner Mitte aufgeworfnen Erdhügel zahllos gefunden werden. Die Lage und Form dieses Hügels, der Fund, und die Umgegend, scheinen zu beurkunden, dieß sei Herrmanns Siegesfeld und jenes der Grabhügel Varus und seiner Legionen.“ Und weiter heißt es bei Meyer in einer Erläuterung zu dem Bild: „Das nebenstehende Blatt ist die verkleinerte Nachbildung einer großen von meinem Freunde Tischbein an Ort und Stelle nach der Natur entworfnen Zeichnung dieses Thals, mit seinen im Vorgrunde liegenden Bardensteinen und, in gerader Richtung über den zweiten hohen Stein zur Linken, dem bezeichneten Erdhügel.“

Der Künstler Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (1751–1829) war ein Freund von Ernst Friedrich Herbert Graf zu Münster (1766–1839). Tischbein und Graf Münster unternahmen im August 1801 eine letzte gemeinsame Reise nach Osnabrück und durch Westfalen. Bei dieser Gelegenheit ist nicht nur ein Portrait des Grafen entstanden, sondern unter anderem auch das Bild Das Varusfeld. Die bei Meyer reproduzierte Radierung stammt von Friedrich August Otto de la Belle aus dem Jahre 1816. Mit kundigem Blick hat Tischbein die Trag- und Decksteine eines Megalithgrabes gezeichnet. Lediglich die im Vergleich zu den Steinen viel zu kleine Darstellung von Pferden und Menschen ist ungenau. Aus malerischer Sicht überhöht dieser bewusst eingesetzte Größenunterschied das Grabmal jedoch dramatisch und unterstreicht die Wirkung dieser Szene als Relikt aus grauer Vorzeit. Es ist auf der Radierung nicht vermerkt welches Großsteingrab hier wiedergegeben ist, doch ein Vergleich mit heute noch anstehenden Grabkammern im Osnabrücker Land führte Guido Groneik auf die Spur, dass es sich bei der Darstellung Tischbeins nur um die Sloopsteine handeln kann. Alfred Bauer identifizierte das auf der Radierung dargestellte Großsteingrab 1959 hingegen mit den Karlssteinen. Abgesehen davon, dass die Karlssteine nicht in der Nähe der Schelenburg und Wulften liegen, wie jedoch von Tischbein über die Lage der von ihm gezeichneten Landschaft angegeben (siehe Meyer 1816, S. 83: „Das Thal liegt, nach Tischbein, nicht weit von Osnabrück und die Monumente bei den Orten Scheelenburg und Wolfshagen.“), hält die Identifizierung Bauers auch einem Vergleich von Zeichnung und Originalgrab direkt vor Ort nicht stand. Bei einer Ortsbegehung stellte sich heraus, dass das geübte Auge des Künstlers die Trag- und Decksteine des Grabmals in den Stellungen zueinander, und insbesondere in den Neigungsrichtungen der in die Kammer gestürzten Decksteine, sehr detailliert und genau wahrgenommen hat. Sämtliche auch heute noch anstehenden Steine sind schon Tischbeins Zeichnung von 1801 vermerkt.

Die Sloopsteine von Norden. Im bildlinken Hintergrund erkennt man zwischen den Bäumen die Wipfelkontur des baumbestandenen Dingelrotts, ganz wie auf der Zeichnung von Tischbei zu sehen (Foto: D. Lau).

Doch steht das Grab nicht isoliert sondern ist in eine Landschaft eingebettet. Heute liegt die Fundstelle in einem lichten Mischwald und der Blick von Norden vorbei an das Grab ist durch den Baumbestand blockiert. Die alte Flurbezeichnung Schlupfsteinheide legt jedoch nahe, dass hier einstmals keine Bäume gestanden haben und man vom Grab aus einen ungehinderten Blick Richtung Süden hatte.

Begibt man sich von den Sloopsteinen aus nach Süden an den naheglegenen Waldrand, zeigt sich, dass auch die Landschaft von Tischbein detailliert dokumentiert wurde. Die Erhebung am linken Bildrand ist der Dingelrott, die höchste Erhebung in der Umgebung. Die beiden bildrechts angegebenen Häuser sind in ihrer Ausrichtung auch heute noch genau so anzutreffen. Lediglich ein paar modernere Gebäude kamen im Laufe der Zeit hinzu.

Tischbeins Zeichnung eines Großsteingrabes aus dem Jahre 1801 ist ohne jeden Zweifel die älteste überlieferte Darstellung der Sloopsteine bei Haltern und zählt damit zu den ältesten Bilddokumenten von Megalithgräbern im Landkreis Osnabrück.

Zitierte Quellen

Bauer, A.: Die Funde der Römischen Kaiserzeit in Stadt- und Landkreis Osnabrück, Osnabrücker Mitteilungen Bd. 68, 1959, S. 54–81.

Meyer, F. J. L: Darstellungen aus Nord-Deutschland, Hamburg 1816.

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